A letter to the mayor
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
heute bekam ich wieder zu spüren, wie es ist als Asylant in Rathenow zu leben.
Ich ging wie so oft schon ins Kaufland um einzukaufen. Es waren noch zwei Freunde dabei. Als ich bezahlte, wollte man mir die Kochtöpfe nicht verkaufen. Es wurde mir gesagt, dass ich mit meiner INFRA CARD nicht das Recht hätte neue Töpfe zu kaufen. Überrascht über das neue " Kauflandgesetz "sagte ich meinem Freund, der noch nicht bezahlt hatte, er solle mir einen neuen Karton mit Töpfen holen. Nachdem er das getan hatte, stand ich zum zweiten Mal an der Kasse, um meine Töpfe zu bezahlen. Aber die Kassiererin weigerte sich, mir diese Töpfe zu verkaufen, trotzdem ich mehrmals darum gebeten hatte.
Als ich meine Sachen packen wollte, verweigerte die Frau, mir meinen Rucksack zu geben (auf ihrem Namensschild las ich den Namen Deparade). Sie beschimpfte mich und sagte ich hätte wo anders Rechte und nicht hier in Deutschland (ich habe zwei Zeugen). Ich empfand das, was sie sagte als rassistisch. Das ließ ich mir nicht gefallen und nahm mir das Recht meinen Rucksack selber wieder zu holen. Mit allen Blicken auf uns gerichtet verließen wir Kaufland.
Nach dieser traurigen Geschichte frage ich Sie, ob Leute heute noch (im Jahre 2002) das Recht haben Menschen wegen ihrer Hautfarbe zu diskriminieren oder Vorurteile ihnen gegenüber zu haben? Ich hoffe, dass Sie den Vorgang prüfen und mir mitteilen, ob ich die Töpfe kaufen kann und auch die anderen Asylbewerber in Zukunft von solchen Ereignissen verschont bleiben. Um diese unglaubliche Diskriminierung Publik zu machen, entschließe ich mich Ihnen die Töpfe mit diesem Brief zu übergeben.
Mit freundlichen Grüßen
Mohammed A. Amine
26. März 2002
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