FIB - Flüchtlingsinitiative Brandenburg
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Evangelische Kirchengemeinde St.Marien-Andreas

Ev. Kirchengemeinde, Kirchplatz 11, 14712 Rathenow

An den Leiter der Ausländerbehörde
des Landkreises Havelland
Hr. Timm
Platz der Freiheit
14712 Rathenow

Gemeindebüro Tel/Fax: 03385/512390
Pfr. Schöne Tel/Fax: 03385/516006
Pfr. Buchholz Tel/Fax: 03385/516894

Rathenow, 27.05.2000

Sehr geehrter Herr Timm!

Die Asylbewerber in Rathenow sind auf der Flucht. Gejagte der Ausländerbehörde.

Seit dem 2. Memorandum, wegen der rassistischen Argriffe und der schlechten sozialen Situaton, wenden nun die Beamten in der Ausländerbehörde viel Kraft auf, um die Asylbewerber dazu zu bewegen, dass sie freiwillig ausreisen.

Die Beamten der Ausländerbehörde bedrängen die Asylbewerber ein Formular zu unterschreiben, welches besagt, dass sie freiwillig das Land verlassen.

Man hat Herrn Bah Chenor aus Sierra Leone in diesem Monat Teile der Sozialhilfe gestrichen, weil er dieses Formular nicht unterschrieben hat, obwohl sein Asylverfahren noch läuft.

Herrn Salam aus Togo wurde von dem Mitarbeiter der Ausländerbehörde Herrn Wolf mitgeteilt, dass sein Asyl abgelaufen ist und er nach Togo fliegen müsse. Leider versäumte die Ausländebehörde, dies dem Rechtsanwalt von Salam S. mitzuteilen. Herr Salam S. sollte auch dieses o.g. Formular unterschreiben. Das war am 13. März 2000.

Der gleiche Zwang wurde auf Mohammed Abdel Amine aus Togo ausgeübt. Herr Wolf hat ihn eine Stunde in der Ausländerbehörde festgehalten, und bedrängt, dass er dieses Formular unterschreibe, sonst würde ihm die Sozialhilfe gekürzt oder sogar gestrichen werden.

Ein Recht auf einen Rechtsanwalt würde hier nicht bestehen, meinte Herr Wolf. Und Herr Mohammed Abdel Amine hat dies dann der Ausländerbeauftragten des Landkreises Frau Steidl gesagt.

Herr Afantodji Koku, einer der Sprecher für die Asylbewerber, hatte dies gleiche Erfahrung mit Herrn Wolf dreimal in der Ausländerbehörde.

Herr Tchoua aus Kamerun war in der Ausländerbehörde zur Verlängerung seines Ausweises, und ihm wurde von Herrn Wiese erst der Ausweis verlängert und dann aber zurückgenommen und nun hat er keinen Ausweis mehr, nur noch ein Stück Papier. Jetzt inzwischen hat er seinen Ausweis wiederbekommen.

Page 2 - Mai 27, 2000

Herr Nsoh, Christopher aus Kamerun, auch einer der Sprecher für die Asylbewerber, wollte seine Sozialhilfe vom Sozialamt holen und wurde von dort zur Ausländerbehörde geschickt, die nahm ihn mit zur Polizei, dort nahm die Polizei Fingerabdrücke und fotografierte ihn, obwohl das schon ausreichend während des Asylverfahrens getan wurde. Das teilte er dem Rechtsanwalt und der Kirche mit. Der Rechtsanwalt erhielt von der Ausländerbehörde eine unverständliche Antwort.

Die Asylbewerber denken, dass in Deutschland die Menschenrechte nicht zählen, die Behörden machen können, was sie wollen, und sie nun für das Memorandum bestraft werden sollen.

Weil es in Deutschland keine Menschenrechte gibt, sind schon einige auf dem Wege in andere Länder.

Initiativgruppe Asylbewerber Rathenow

Afantodji Koku
Mohammed Abdel Amine
Toor Mohammed
Nsoh Christopher

Zur Kenntnis:

  • Dezernt Hr. Lendt
  • Landrat Dr. Schröder
  • Ausländerbeauftragte des Landkreises Havelland Fr. Steidl
  • Ausländerbeauftragte des Landes Fr. Berger
  • Ausländerbeauffragter der Ev. Kirche in Berlin und Brandenburg Hr. Thomä-Venske
  • Flüchtlingsrat Brandenburg
  • Landesbischof Dr. Huber
  • Sozialminister Hr. Ziel
  • Ministerpräsident Manfred Stolpe
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