FREE MOVEMENT IS OUR RIGHT!
Die Brandenburger Flüchtlingsinitiative arbeitet seit 3 Jahren
unentgeltlich für die Abschaffung der Residenzpflicht im Land
Brandenburg und überall in Deutschland, sowie gegen rassistische
Diskriminierung. Alle Mitglieder unserer Initiative sind
AsylbewerberInnen oder haben den Status von Flüchtlingen in Deutschland.
Unser Recherche- und Aktionsfeld ist insbesondere das Land Brandenburg,
da wir durch einen speziellen Verteilerschlüssel der Ausländerbehörden
nach unserer Ankunft in Deutschland hier in verschiedenen
Asylbewerber-Sammelunterkünften untergebracht wurden.
Neben den alltäglichen Diskriminierungen und rassistischen Übergriffen
in den brandenburgischen Dörfern und Städten sind wir von einer Reihe
menschenrechtsverletzenden und undemokratischen Regelungen der
Ausländerbehörden betroffen, die ihre Entscheide auf der Rechtsgrundlage
des deutschen Asylrechts legitimiert sehen.
Ein exemplarisches Beispiel ist die so genannte »Residenzpflicht«, die
Flüchtlingen überall in Deutschland verbietet, den jeweiligen Landkreis
ohne abgestempelte schriftliche Bewilligung der örtlichen
Ausländerbehörden vorübergehend zu verlassen. Der maximale
Bewegungsradius bis zur Landkreisgrenze liegt zwischen 10 bis 45
Kilometer. Die Genehmigungen werden nicht selbstverständlich, sondern
häufig auch bei notwendigen Arztbesuchen, Anwaltsterminen etc. nur in
Ausnahmefällen gestattet. Wird man von der Polizei kontrolliert ohne
eine gültige Erlaubnis zu haben, drohen eine Geldstrafe und im
Wiederholungsfall ein Prozess.
Um auf die alltäglichen Missstände aufmerksam zu machen und um
Flüchtlinge zu ermutigen, sich gegen die unterschiedlichen Rassismen,
die sie erfahren, zur Wehr zu setzen, haben wir zahlreiche
unterschiedliche Aktionen gemacht. (…)
Bei einer Aktion protestierten etwa 30 Flüchtlinge und UnterstützerInnen
am Tag vor der parallelen Verabschiedung des umstrittenen Zuwanderungs-
und Ausländerrechts und dem zweiten Paket der Anti-Terror-Gesetze im
Bundeskabinett mit einer Kunstaktion gegen die Verabschiedung des
Gesetzes. Sie besuchten die Ausstellung »Exodus« von Sebastiao Salgado
im Kronprinzenpalais, Unter den Linden, in Berlin Mitte. Die Ausstellung
erzählt Geschichten von Menschen in Bewegung, die nicht aus freien
Stücken fliehen. Salgado hat für diese Ausstellung 40 verschiedene
Länder bereist. Er schreibt: »Wenn ich zu Plätzen zurückkehrte, die ich
von früher kannte, war es schmerzhaft zu entdecken, dass sich die
Situation in der Regel verschlechtert hatte.«
»Schmerzhaft« für die Akteure der Kunstaktion war die Reaktion des
Museumsleiters: Während im Kronprinzenpalais Salgados Portraits als
Kunst gewürdigt werden, waren ihre mitgebrachten Bilder von
Flüchtlingsrealitäten und Flüchtlingskämpfen hierzulande unerwünscht.
Der Leiter des Museums drohte mit Anzeige wegen Hausfriedensbruch und
wollte nicht einmal die Verlesung der Presseerklärung gestatten.
»Salgados Bilder porträtieren die Ferne und es ist leicht, auf die
Distanz betroffen zu sein. Die Sortierung von
Menschen nach Kriterien der Nützlichkeit und die damit verbundene
Abschottung Deutschlands sollten jedoch genauso betroffen machen.«
(aus der Presseerklärung der AkteurInnen)
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